Heizung ausgefallen: Heizöltank leer – 2 Notlösungen im Winter
Ein plötzlicher Heizungsausfall im Winter stellt für private Betreiber von Heizöltankanlagen eine ernsthafte Belastung dar – insbesondere dann, wenn die Ursache ein leer gelaufener Heizöltank ist. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass der Tank technisch gesehen nicht vollständig leer ist. Ein gewisser Restbestand verbleibt immer im Behälter.
1. Solotanks:
Was viele Anlagenbetreiber nicht wissen: Nur bei bestimmten Tankbauarten besteht die Möglichkeit, diesen Restbestand kurzfristig nutzbar zu machen. Dieser Ratgeber erklärt, warum diese „Überlebenstechnik“ ausschließlich bei sogenannten Solotanks funktioniert, wie sie angewendet werden kann und wo ihre klaren Grenzen liegen.
2. Notlösung für alle Tankanlagentypen:
Ist kein Zugriff auf Restheizöl im Tank möglich, kann der Heizkessel im Ausnahmefall direkt über einen Kanister mit Heizöl oder Diesel versorgt werden. Diese Methode eignet sich ausschließlich zur kurzfristigen Überbrückung und erfordert besondere Sorgfalt.
(→ zur Beschreibung der Kanisterlösung)

Technischer Hintergrund: Warum immer Heizöl im Tank verbleibt
Heizöltanks sind so konstruiert, dass sich am Boden ein nicht ansaugbarer Bereich befindet. Dieser Sicherheitsabstand beträgt in der Regel etwa fünf Zentimeter. Gründe dafür sind:
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Ablagerungen von Schmutz- und Alterungsprodukten
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Wasseranteile, die sich am Tankboden sammeln
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Schutz der Heizungsanlage vor Störungen und Schäden
Die reguläre Ansaugung endet bewusst oberhalb dieses Bereichs. Sinkt der Ölstand darunter, wird kein Heizöl mehr gefördert – obwohl physisch noch Heizöl im Tank vorhanden ist.
Warum die Heizung trotzdem ausfällt
Sobald der Heizölstand unter die werkseitig eingestellte Ansaughöhe fällt, treten typische Symptome auf:
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Die Ölpumpe zieht Luft
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Der Brenner schaltet auf Störung
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Die Heizungsanlage geht außer Betrieb
Für den Betreiber entsteht der Eindruck eines vollständig leeren Tanks. Besonders in Frostperioden kann das kritisch werden, wenn Heizöllieferungen nicht sofort verfügbar sind.
Entscheidend: Diese Notlösung funktioniert nur bei Solotanks
Die nachfolgend beschriebene Maßnahme ist ausschließlich bei Solotankanlagen möglich. Dazu zählen:
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Rechteckige Stahltanks im Keller
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Zylindrische Stahltanks
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Unterirdische Einzeltanks
Nicht geeignet sind dagegen:
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Kunststoff-Batterietankanlagen
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Verbundene Einzeltanks mit gemeinsamer Saugleitung
Warum Kunststoff-Batterietanks ungeeignet sind
Bei Kunststoffbatterietankanlagen ist die Entnahme in der Regel anders konstruiert:
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Feste Entnahmesysteme ohne Höhenverstellung
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Schwimmende oder vorgegebene Ansaugungen
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Hydraulischer Ausgleich zwischen mehreren Tanks
Ein Absenken der Ansaugung ist hier technisch nicht vorgesehen und in der Praxis nicht umsetzbar. Ein Versuch kann zu Störungen, Undichtigkeiten oder Schäden führen und sollte unterbleiben.
Notlösung bei Solotanks: Ansaugung absenken
Bei klassischen Solotanks befindet sich die Entnahme-Armatur oben auf dem Tank. In vielen Fällen ist das Ansaugrohr höhenverstellbar und durch eine Ringmutter fixiert.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall
Hinweis: Diese Maßnahme ist ausdrücklich als kurzfristige Überbrückung gedacht, nicht als regulärer Betrieb.
Vorgehensweise
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Heizungsanlage abschalten
Heizkessel vollständig ausschalten und spannungsfrei machen. -
Entnahme-Armatur freilegen
Zugang zur Tankoberseite schaffen. -
Ringmutter lösen
Die Ringmutter an der Entnahme vorsichtig lösen, ohne Leitungen zu verdrehen. -
Ansaugrohr wenige Zentimeter absenken
Nur so weit absenken, dass der vorhandene Restbestand erreicht wird. -
Ringmutter wieder fixieren
Ansaugung sicher arretieren. -
Heizung entlüften und starten
Anlage gemäß Herstellervorgaben wieder in Betrieb nehmen.
Wie lange kann mit dem Restbestand geheizt werden?
Die nutzbare Dauer hängt ab von:
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Tankvolumen
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Höhe des Restbestands
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Heizverhalten und Außentemperatur
In der Praxis lassen sich häufig ein bis drei Tage überbrücken. Das verschafft Zeit, um eine Heizöllieferung zu organisieren oder fachliche Unterstützung zu erhalten.
Risiken und klare Grenzen dieser Überlebenstechnik
Das Absenken der Ansaugung erhöht bewusst das Risiko, unerwünschte Stoffe anzusaugen:
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Sedimente vom Tankboden
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Wasseranteile
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Höhere Filterbelastung
Nach der Heizöllieferung sollte:
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die Ansaugung wieder auf Normalhöhe gebracht werden
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der Ölfilter kontrolliert und ggf. gewechselt werden
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die Anlage beobachtet werden
Bei älteren Tanks ist besondere Vorsicht geboten.
Vorbeugung: So vermeiden Sie den Ernstfall
Ein leer gelaufener Heizöltank ist in den meisten Fällen vermeidbar. Bewährt haben sich:
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Regelmäßige Sicht- oder Füllstandskontrollen
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Frühzeitige Heizölbestellung vor der Heizperiode
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Ein bewusst eingeplanter Sicherheitsbestand
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Fachgerechte Wartung der Tankanlage
Gerade bei Solotanks ohne automatische Füllstandsanzeige ist Eigenkontrolle besonders wichtig.
Fazit
Die Nutzung des Heizöl-Restbestands durch Absenken der Ansaugung kann bei Solotanks aus Stahl oder bei unterirdischen Einzeltanks eine wirksame Notlösung sein, um einen kurzfristigen Heizungsausfall im Winter zu überbrücken. Bei Kunststoff-Batterietankanlagen ist diese Technik jedoch nicht anwendbar. Entscheidend bleibt eine vorausschauende Planung: Wer seinen Heizölvorrat im Blick behält, vermeidet Stress, Kälte und technische Risiken.
Alternative Notlösung: Heizkesselbetrieb über Kanister (Diesel/Heizöl)
Ist weder eine Heizöllieferung kurzfristig verfügbar noch das Absenken der Ansaugung möglich oder ausreichend, kann der Heizkessel im Ausnahmefall direkt über einen Kanister versorgt werden. Diese Methode stellt eine reine Notlösung dar und ist nur für eine sehr kurze Überbrückungszeit gedacht.

Geeigneter Brennstoff im Notfall
Neben Heizöl kann der Heizkessel in dieser Situation auch mit Dieselkraftstoff betrieben werden. Diesel ist an jeder Tankstelle erhältlich und verbrennungstechnisch dem Heizöl sehr ähnlich. Andere Kraftstoffe oder alternative Öle sind hierfür nicht geeignet.
Vorbereitung: Heizölfilter außer Betrieb nehmen
Bevor die Brennerschläuche umgelegt werden, muss der Heizölfilter abgesperrt werden:
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Das Handradventil am Heizölfilter vollständig zudrehen
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Dadurch wird verhindert, dass sich noch vorhandenes Restheizöl aus den Leitungen im Keller verteilt
Der Bereich um den Filter sollte vorsorglich mit alten Lappen oder saugfähigem Material ausgelegt werden.
Brennerschläuche in den Kanister führen
Anschließend werden die Kesselversorgungsschläuche direkt am Heizölfilter gelöst:
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Vor- und Rücklauf vollständig vom Filter trennen
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Beide Schläuche in einen absolut sauberen Kanister mit Heizöl oder Diesel einführen
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Die Schläuche im Kanister mit Kabelbindern fixieren
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Rücklaufleitung:
Rutscht diese aus dem Kanister, läuft unverbrauchter Brennstoff ungehindert aus. Der Heizkessel selbst fällt dabei nicht automatisch aus, was zu erheblichen Mengen auslaufenden Brennstoffs führen kann.
Sauberkeit ist zwingend erforderlich
Der eingesetzte Kanister muss vollständig sauber sein:
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keine Schmutzpartikel
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kein Wasser
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keine Rückstände früherer Inhalte
Bereits geringe Verunreinigungen können die Brennerdüse verstopfen oder Schäden an der Ölpumpe verursachen. Diese Risiken sind unbedingt zu vermeiden.
Richtige Positionierung des Kanisters
Der Kanister darf nicht unmittelbar der Wärmestrahlung des Brenners ausgesetzt sein. Empfehlenswert ist eine Platzierung:
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seitlich oder leicht hinter dem Brenner
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in Richtung Heizkessel
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mit ausreichend Abstand zu heißen Bauteilen
So wird eine unnötige Erwärmung des Brennstoffs verhindert.
Wichtiger Hinweis zur Einordnung
Der Kanisterbetrieb ersetzt keine reguläre Heizölversorgung. Er dient ausschließlich dazu, einen kurzfristigen Heizungsausfall zu überbrücken, bis eine fachgerechte Versorgung wiederhergestellt ist. Nach der Heizöllieferung sollten die ursprünglichen Anschlüsse wiederhergestellt und der Heizölfilter kontrolliert oder erneuert werden.
FAQ
Spätestens dann, wenn Unsicherheit über den Zustand der Tankanlage besteht, wenn Störungen auftreten oder wenn Notlösungen nicht greifen, sollte ein zugelassener Fachbetrieb kontaktiert werden. Arbeiten an Heizöltankanlagen sind sicherheitsrelevant und sollten nicht dauerhaft in Eigenregie erfolgen.
Ein Heizungsausfall lässt sich meist durch regelmäßige Kontrolle des Heizölstands und eine rechtzeitige Heizölbestellung vermeiden. Empfehlenswert ist zudem ein eingeplanter Sicherheitsbestand sowie die regelmäßige Wartung der Tankanlage durch einen Fachbetrieb, insbesondere vor Beginn der Heizperiode.
Unsachgemäß durchgeführte Maßnahmen können zu Undichtigkeiten, Brennstoffaustritt, Schäden an Brenner oder Pumpe sowie zu Umwelt- und Sicherheitsrisiken führen. Zudem besteht die Gefahr, dass Schmutz oder Wasser angesaugt wird. Alle eigenständig vorgenommenen Arbeiten erfolgen auf eigenes Risiko.
Der Betrieb eines Heizkessels über einen Kanister ist technisch möglich, stellt jedoch eine reine Notmaßnahme dar. Er ist nicht für den Dauerbetrieb vorgesehen und erfordert besondere Sorgfalt, insbesondere in Bezug auf Sauberkeit, Sicherheit und Aufstellung. Arbeiten dieser Art sollten grundsätzlich von einem Fachbetrieb begleitet oder durchgeführt werden.
Ja, im Ausnahmefall kann ein Ölbrenner kurzfristig mit Dieselkraftstoff betrieben werden. Diesel ist in seiner Verbrennungseigenschaft dem Heizöl ähnlich und an Tankstellen verfügbar. Diese Nutzung ist jedoch ausschließlich als temporäre Notlösung gedacht und ersetzt keine reguläre Brennstoffversorgung.
Das Absenken der Ansaugung ist nur bei sogenannten Solotanks möglich, zum Beispiel bei rechteckigen oder zylindrischen Stahltanks sowie bei unterirdischen Einzeltanks. Bei Kunststoff-Batterietankanlagen ist diese Maßnahme konstruktionsbedingt nicht umsetzbar und sollte nicht versucht werden.
In der Regel nein. Heizöltanks sind so konstruiert, dass am Boden ein Restbestand verbleibt, der aus Sicherheitsgründen nicht angesaugt wird. Dieser beträgt häufig mehrere Zentimeter Füllhöhe. Sinkt der Ölstand unter die reguläre Ansaughöhe, fällt die Heizung aus, obwohl sich noch Heizöl im Tank befindet.
Fällt die Heizung aufgrund eines leeren Heizöltanks aus, sollte zunächst geprüft werden, ob noch ein technischer Restbestand im Tank vorhanden ist. In bestimmten Fällen kann dieser kurzfristig genutzt werden. Ist das nicht möglich, kommen nur zeitlich begrenzte Notlösungen infrage, bis eine Heizöllieferung erfolgt oder ein Fachbetrieb eingreift.
Wichtiger Hinweis
Die in diesem Beitrag beschriebenen Maßnahmen stellen theoretische und praxisnahe Notlösungen dar, die ausschließlich der Information dienen. Sie ersetzen keine fachgerechte Beratung, Planung oder Ausführung durch einen qualifizierten Fachbetrieb.
Arbeiten an Heizöltankanlagen und Heizkesseln sind sicherheitsrelevant und dürfen grundsätzlich nur von entsprechend geschulten Fachbetrieben durchgeführt werden. Eine unsachgemäße Handhabung kann zu Sachschäden, Umweltgefahren oder Personenschäden führen.
Für eigenständig durchgeführte Arbeiten kann keine Haftung übernommen werden.
Alle Maßnahmen, die ohne Beauftragung eines Fachbetriebs erfolgen, geschehen auf eigenes Risiko des Anlagenbetreibers.
Im Zweifel ist stets ein zugelassener Fachbetrieb zu kontaktieren.

